FORUM 05/2014 - STADTPLANUNG - International Architecture Biennale Rotterdam (IABR) 2014, Rotterdam/NL


Parco Dora2 von Latz + Partner © Ornella Orlandini

Zur Natur (in) der Stadt
Unter dem Motto „Urban by Nature“ und unter dem Kuratorium des niederländischen Landschaftsarchitekten und Gründers von H+N+S Landscape Architects Dirk Sijmons präsentiert die diesjährige, sechste Internationale Architekturbiennale in Rotterdam (IABR) vom 29. Mai bis 24. August anhand konkreter Projekte aus der ganzen Welt die Verwobenheit unserer städtischen Lebensräume mit der Natur.

Text von Michael Koller


Havana's Gardens von Marcello Fantuz ©  Marcello Fantuz

Dirk Sijmons ist davon überzeugt, dass man, um die weltweiten ökologischen Probleme lösen zu können, als Erstes die städtischen Probleme in den Griff bekommen müsse. In der Hauptausstellung in den Räumlichkeiten der unlängst renovierten Kunsthal und des benachbarten Naturhistorischen Museums in Rotterdam wird anhand von 96 Beispielen bekannter Büros wie BIG, MVRDV, West 8, ZUS, JCFO, .Fabric oder Lola, aber auch von Organisationen wie dem niederländischen WWF und dem niederländischen Umweltschutzamt sowie Universitäten wie der TU Delft, des MIT, der Universität in Harvard und der ETH Zürich gezeigt, wie die gezielte Planung von Grünräumen zu einem immer wichtigeren Aspekt in der gegenwärtigen Stadtplanung wird.


AKTINA_Cyber Index Lab and Energize © Dimitris Sotiropoulos

STADTLANDSCHAFTEN
Die Projekte sind in fünf Hauptthemen wie das kultivierte Pflanzen, die Erforschung des Untergrunds, den Metabolismus der Stadt, die Stadtlandschaft in der Zeit des Klimawandels und die Strategien zur Entwicklung moderner Stadtlandschaften sowie in zahlreiche Subthemen gegliedert.
Anhand von oftmals kleinen Projekten und Initiativen wie dem Straßenmöbel Aktina, einer Ladestation für Fahrräder, Computer und Handys, über den Aranzadi-Park im spanischen Pamplona, der jährlich als Teil der Parkpflege vom benachbarten Fluss überschwemmt wird, den Gemüsegärten in Havanna oder dem Parco Dora auf dem ehemaligen
Fiat-Fabriksgelände bei Turin wird exemplarisch dargestellt, welche Potenziale unsere städtischen Lebensräume besitzen und wie naturnahe Städte gestaltet werden könnten.
Die Frage stellt sich, ob all diese Projekte punktuelle und einmalige Kuriositäten bleiben werden oder ob sie uns tatsächlich dabei helfen werden, das klassische Verständnis der Bipolarität von Natur und Stadt in der Zukunft zu überwinden.

DBZ 05/2014 - Architektur | Fondation Louis Vuitton, Paris/FR


Die Fondation Louis Vuitton im Jardin d‘acclimatation im Bois de Boulogne in Paris © Louis-Marie Dauzat

Architektur des Luxus
Fondation Louis Vuitton, Paris/FR

Für die Kollektion der Fondation Louis Vuitton pour la création wünschte sich Bernard Arnault ein außergewöhnliches Gebäude. Deshalb beauftragte er niemand geringeren als Frank Gehry mit dem Entwurf eines passenden Gebäudes für den Jardin d‘acclimatation im Bois de Boulogne im Westen des Stadtzentrums von Paris.

Text von Michael Koller, Den Haag/NL

Bernard Arnault – der reichste Mann Frankreichs – ist Aufsichtsratspräsident und Vorstandsvorsitzender der börsennotierten, französische Aktiengesellschaft LVMH, Mäzen und Sammler zeitgenössischer Kunstwerke.
Moët Hennessy-Louis Vuitton ist weltweiter Branchenführer in der Luxusgüterindustrie und besitzt die Mehrheitsrechte an über 60 verschiedenen Luxusmarken, wie unter anderem dem Lederartikel-Hersteller Louis Vuitton, den Champagner-Fabrikanten Moët & Chandon, dem Cognac-Hersteller Hennessy, Christian Dior und nicht zuletzt Givenchy.
2001 entstand bei einem Treffen zwischen Bernard Arnault und Frank Gehry die Idee zum Bau der Fondation Louis Vuitton. Nach der offiziellen Gründung der Fondation im Oktober 2006 und der Projektpräsentation vor dem Kulturminister Frankreichs und dem Pariser Bürgermeister, begann die Idee konkrete Formen anzunehmen. Die Stadt Paris schloss mit der Fondation im darauffolgenden Dezember einen Vertrag zur Nutzung einer 1ha großen Parzelle im Jardin d'acclimatation über einen Zeitraum von 55 Jahren ab.

Modell Blick auf die Nordfassade © Gehry Partners LLP

Das ausgeführte Gebäude- Blick bei Nacht © Louis-Marie Dauzat

Eine erste Baugenehmigung für das Projekt wurde im August 2007 erteilt, wodurch der Bau im März 2008 mit der Aushebung der Baugrube und den Fundamentarbeiten beginnen konnte. Kurz vor der Fertigstellung des Rohbaus 2011 wurde die erste Baugenehmigung durch das Verwaltungsgericht aufgehoben, wodurch der Bau zwischenzeitlich zum Stillstand kam. Nach einer Intervention seitens verschiedener Politiker und der Erteilung einer zweiten Baugenehmigung konnte das Projekt mit den Arbeiten am Stahlgerüst der „Eisberge“ fortgesetzt werden. Nach der Fertigstellung der Schalen der Eisberge und der Ummantlung mit den Ductal®-Platten begannen 2012 die Arbeiten an der Konstruktion der
„Glassegel“.

Auf die Unterkonstruktion wurden die 12 Glassegel fixiert © David Guichard

Entwurfsidee
Frank Gehry hat ein Gebäude entworfen, das durch seine Ausstrahlung und Einzigartigkeit schon ein Kunstwerk darstellt.
An der Avenue Mahatma Gandhi gelegen, markiert das Gebäude den Übergang zwischen dem Wald und dem Park „Jardin d'Acclimatation“, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde. Aufgrund seiner einzigartigen Lage musste die Architektur und die Materialverwendung eine Beziehung zum historischen Baumbestand und zum Park herstellen.
Frank Gehry ließ sich in seinem Entwurf von zwei Grundideen leiten: zum einen hatte er die vom Wind prall gefüllten Segel einer amerikanischen „Class J“-Jacht vor Augen. Zum anderen ließ er sich von der leichten, transparenten Pariser Glasarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wie dem Grand Palais, dem Palais d'Hiver und dem Palmarium im Jardin d'Acclimatation selbst inspirieren.
Aus diesen beiden Leitideen und nach unzähligen Modellstudien entstand ein Art Schiff, das aus einem soliden Inneren, den sogenannten „Eisbergen“, und einer halbtransparenten Hülle aus Glaselemente, den „Glassegeln“ besteht.

3D Längsschnitt

Eisberge und Segel
Das Gebäude entwickelt sich auf einer Gesamtnutzfläche von 8 637 m². In insgesamt 11 Sälen werden in Zukunft die Kunstwerke der Sammlung von LVMH ausgestellt, sowie in temporäre Ausstellungen die Werke zeitgenössischer Künstler präsentiert. Zusammen mit dem 350 Sitzplätze umfassenden Auditorium stehen der Museumsgestaltung 3 850 m² zur Verfügung.
Die Bauvorschriften erlaubten an dieser sensiblen Stelle ein Bauwerk, dass auf der einen Seite die Größe des alten Gebäudes von 4 000 m² nicht überschreiten durfte und auf der anderen Seite nicht mehr als ein Obergeschoss mit Mezzanin besitzen durfte. Um die geforderten Ausstellungs- und Funktionsräume unterbringen zu können, war die effiziente Nutzung der Untergeschosse unumgänglich.
Das 2. Untergeschoss wird mehrheitlich von den verschiedenen Technikräumen eingenommen. Daneben findet man auf diesem Geschoss noch Ateliers, Lager, Archive, Garderoben, Wartungsräume und nicht zuletzt die Technik für die Unterkonstruktion der flexibel zu organisierenden Sitzreihen des Auditoriums.
Im Stockwerk darüber, dem 1. Untergeschoss, wurden bereits erste Ausstellungsräume, sowie das 350 Sitzplätze fassende Auditorium situiert. Die großen Geschosshöhen erlaubten die Anordnung von Zwischengeschossen an den Gebäuderändern für Büro- und Konferenzräume sowie Toiletten.

Grundrisse

Auch im Erdgeschoss, dessen Ausstellungsräume eine durchschnittlich Deckenhöhe von 5,50 m besitzen, wurden laterale Zwischengeschosse für die Personal-, Künstler-, Lager- und VIP-Räume eingezogen. Auf dieser Ebene befinden sich neben dem Haupteingang des Museums auch das Besucherfoyer, der Museumsshop und ein Café. Die darüberliegenden, in ihren Höhen versetzten, ersten Obergeschosse sind neben diversen Technikräumen den Ausstellungen vorbehalten. Durch die Höhenversprünge, die unterschiedlichen Deckenhöhen der Säle, die von 6,40 m bis 9,00 m reichen und die turmartigen Erhöhungen der Ausstellungsräume bis zu 17 m, entstand darüber eine begehbare und zum Teil begrünte Dachterrassenlandschaft, die den Besuchern weite Ausblicke auf Paris und La Défense erlauben. Am höchsten Aussichtspunkt befindet sich der Besucher rund 32 m über dem Straßenniveau.

Die Montage der Glasflächen folgte einem bis ins Detail festgelegten Montageplan © David Guichard

Sechs Bauabschnitte
Die Bauarbeiten begannen mit dem Abriss des bestehenden Gebäudes und dem Ausheben von etwa 100.000 m³ Erde um eine 15 m tiefen Baugrube zu schaffen. In diese Baugrube wurde in einem ersten Bauabschnitt eine 2,60 m hohen und rund 4 100 m² große, stark bewährte und auf 17 Punktfundamenten auflagerte Stahlbetonplatte (175kg/m³) gegossen. Die Verwendung hochfesten Betons (C25/30) war notwendig um die punktuell angreifenden Lasten und Bewegungen des Hochbaus aufnehmen zu können und die Toleranzen unter 2 cm zu halten. Auf dieser Stahlbetonplatte wurde daraufhin das Technikgeschoss errichtet, das mit dem 20 cm tiefen Wasserbassin, in dem das Gebäude zu stehen scheint, abschließt.

Die primäre Tragstruktur besteht aus Stahlfachwerken, Stahl- bzw. Stahlbetondecken © David Guichard

Während des zweiten Bauabschnitts wurde – von Westen nach Osten – die primäre Tragstruktur aus Stahlfachwerken und Stahl- bzw. Stahlbetondecken errichtet. Während der dritten Bauetappe wurden auf diese Primärtragstruktur im Kern des Bauwerks die verschiedenen, schrägen Träger und Stützen für die Errichtung der Glassegel montiert. Diese durchbrechen die sekundäre Tragstruktur, bestehend aus den tragenden und mit Ductal®-Platten aus hochfestem, faserverstärktem Beton verkleideten Außenwände, die im vierten Bauabschnitt realisiert wurde. Um die tragenden, vorgefertigten Wände der „Eisberge“ bauen zu können wurden sie als transportfähige Einzelsegmente mit einer maximalen Länge von 14 m und einer maximalen Breite von 2,50 m entworfen.

Die Stahl- und Holzbalken für die Unterkonstruktion der „Glassegel“ © David Guichard

Die mehrfach gekrümmten Sandwichpaneele bestehen aus einem Stahlfachwerk, das außenseitig mit einer 3 mm starken Metallplatte überzogen ist. Die darüberliegende 17 cm dicke Steinwollisolierung ist wiederum mit einer Aluminiumfolie und mit EPDM-Dichtungsbahnen abgedeckt. Nach der Fertigstellung der Eisberge, wurden die Aluminiumhalterungen für die etwa 19 000 Ductal®-Platten fixiert.
Im fünften Abschnitt wurden die Stahl- und Holzbalken für die Unterkonstruktion der 12 „Glassegel“ fixiert. Die letzte Etappe bestand schließlich aus der Montage der Glasflächen nach einem streng vorgeschriebenen und bis ins Detail ausgearbeiteten Montageplans.
Am 18. Dezember 2013 wurde der letzte Stein gelegt und das Gebäude am 28. 2. 2014 offiziell an den Eigentümer übergeben. Bis zur geplanten Eröffnung im Oktober 2014 müssen noch die Ausstellungsräumlichkeiten und verschiedene Landschaftselemente fertiggestellt werden.

3-D Modelling

Die Bedeutung und Tragweite des Bauwerks, sowohl auf architektonischer als auch technischer Ebene kann wohl daran gemessen werden, dass die Architekturfakultät der Harvard Universität die Fondation bereits in ihr Studienprogramm aufgenommen hat. Sicher ist, dass alleine das Gebäude der Fondation Louis Vuitton ein neues architektonisches Highlight der französischen Hauptstadt werden wird.

BAUDATEN
Objekt: Fondation Louis Vuitton, Paris/FR
Standort: Paris/FR
Bauherr/Nutzer: Fondation Louis Vuitton: Private Kunstsammlung + zeitgenössische Ausstellungen
Architekt: Frank Gehry, Gehry Partners LLP, Los Angeles/USA
Ausführendes Architekturbüro: Studios Architecture, Paris/FR
Generalunternehmer: Vinci Constructions, Paris/FR (www.vinci-construction.com)
Innenarchitektur: Gehry Partners in Zusammenarbeit mit Studios Architecture und Wilmotte und Assoziierte (www.wilmotte.com) (Café und Buchshop)
Planungs-und Bauzeit: 2008-2014

FACHPLANER
Primäre Tagstruktur: Setec Bâtiment, Paris/FR (www.batiment.setec.fr)
Tragstruktur Glassegel: Eiffage Construction Métallique, Paris/FR (www.eiffagemetal.com)
Planung Glasfassade und Gebäudefassade (Ductalfassade): RFRGroup, Paris/FR (www.rfr-group.com),  TESS (Glassabdeckung)
Heizung: ContraCosta, Oakland/USA (www.contracostaheating.com)
Lichtplanung: L‘Observatoire Interna­tional, New York/USA (www.lobsintl.com)
Technische Gebäudeausrüstung: Santerre Bâtiment, Ham/FR

PROJEKTDATEN
Grundstücksgröße: 10 000 m²
Nutzfläche gesamt: 8 637 m²
Hauptnutzfläche HNF (11 Ausstellungsräume): 3 267 m²
Nebennutzfläche NNF (Auditorium): 563 m²
Nebennutzfläche NNF (Grotto): 647 m²
Funktionsfläche FF (Empfang Gruppen, Besucherfoyer, Buchladen, Café/Restaurant, Garderoben, Toiletten): 1 649 m²
Verkehrsfläche VF: 1 646 m²
Nebennutzfläche NNF (Studio): 38 m²

Nebennutzfläche NNF (Terrassen): 865 m²

VISO 03/2014 – ARCHITEKTUR / ARCHITECTURE – Jellyfish Haus, Marbella,ES



Der weit auskragende Swimmingpool bildet ein schattenspendendes Vordach für das Wohnzimmer und den Eingangsbereich. I La vaste piscine en porte à faux forme un auvent ombragé inondant le salon et la zone d’entrée.

Ferienhaus in Marbella, Spanien
| Maison de vacances à Marbella, Espagne
Ein Haus für Wassernixen I Une maison pour les sirènes

   Der niederländische Architekt Wiel Arets baute für einen Modeunternehmer ein Aufsehen erregendes Ferienhaus in Südspanien. Selbst im mondänen Marbella gilt die Betonvilla mit dem ungewöhnlichen Dachaufbau als kleine Sensation.
   
   L’architecte néerlandais Wiel Arets a construit pour un entrepreneur de mode, une maison de vacances sensationnelle dans le sud de l’Espagne. Même dans la mondaine Marbella, cette villa en béton à la structure du toit inhabituelle, fait l’effet d’une petite sensation.

Text | Texte: Michael Koller
Fotos | Photos: Jan Bitter
 


   Das südspanische Marbella geniesst seit Jahrzehnten den Ruf eines exklusiven Ferienortes. Stars, Sternchen, Mogule und Wirtschaftsgrössen haben das sonnenverwöhnte Dorf in der ganzen Welt bekannt gemacht. Der Faszination des südspanischen Ortes erlag auch ein erfolgreicher Modeunternehmer aus Holland. Schon längere Zeit spielte die Familie des Bauherrn mit dem Gedanken, sich ein Ferienhaus an der Küste Südspaniens zuzulegen. Als Freund des Architekten Wiel Arets kannte er dessen eigenes Wohn- und Bürohaus in Maastricht.

   Marbella, au sud de l’Espagne, jouit depuis des décennies de la réputation d’un complexe exclusif de vacances. Stars, starlettes, grands pontes et gros investisseurs de tous poils ont fait connaître ce village baigné de soleil dans le monde entier. La fascination de la station au sud de l’Espagne a fait également succomber un entrepreneur de mode connu, venu de Hollande, dès qu’avec sa famille, il eut l’idée depuis longtemps de construire une maison de vacances sur la côte sud de l’Espagne. En tant qu’ami de l’architecte, Wiel Arets connaissait l’immeuble de sa résidence et de ses bureaux à Maastricht.

Situation

   Er war beeindruckt von der entspannten Atmosphäre, der Wegführung und der reibungslosen Organisation von Wohnen und Arbeiten. Allerdings hatte sich der Unternehmer schon ein Traumhaus in Marbella ausgeguckt und lud Arets als Berater auf eine Reise nach Spanien ein, um ihm sein favorisiertes Kaufobjekt im Resort Los Monteros zu zeigen. Der Ort liegt am Stadtrand von Marbella und zeichnet sich durch grosse Ferienhäuser aus mit flach geneigten, vielfach verspringenden Giebeldächern auf beinahe quadratischen Grundstücken mit Swimmingpools im Garten. Trotz der Attraktivität des Urlaubsortes war der Unternehmer weder mit der Lage noch der Aufteilung des begutachteten Objektes zufrieden. Kurzerhand beauftragte er seinen Architekten-Freund mit der Planung seines Urlaubsdomizils.

   Il avait été impressionné par l’atmosphère détendue, l’éloignement et l’excellente organisation entre la vie personnelle et le travail qui y régnaient. Cependant, l’entrepreneur avait déjà choisi une maison de rêve à Marbella et avait invité Arets, en tant que consultant sur un voyage en Espagne, a. n de lui montrer son objet de vente préféré à Los Monteros Resort. L’endroit est situé à la périphérie de Marbella et se caractérise par de grandes maisons de vacances avec des toits à pignons à faible pente, construites sur des terrains carrés avec piscine dans le jardin. Malgré l’aspect attrayant de la station de vacances, l’ami n’était satisfait ni de l’emplacement, ni la répartition de l’objet évalué. Sans plus tarder, il chargea son ami architecte de la planification de sa maison de vacances.


Über der strassenseitigen Terrasse des Gästewohnzimmers im Erdgeschoss schwebt das tonnenschwere Schwimmbad. I La piscine de plusieurs tonnes plane au-dessus de la terrasse côté rue de la chambre d’hôtes au rez-de-chaussée.

   Auf einem Spaziergang durch das Wohngebiet stiess Wiel Arets auf ein unbebautes längliches Grundstück unweit des Strandes, das ihn für den Neubau einer massgeschneiderten Ferienvilla inspirierte. Der direkte Blick vom Grundstück zum Meer wurde allerdings auch hier durch die benachbarten Ferienhäuser und einen Hotelkomplex blockiert. Im Zuge verschiedener Recherchen fand Arets jedoch heraus, dass das Meer sehr wohl von den Dächern der umliegenden Häuser aus zu sehen war. Das Verlegen des Swimmingpools vom Garten aufs Dach wurde damit zum zentralen Entwurfselement des Projekts.

   En se promenant à travers le quartier résidentiel, Wiel Arets tomba sur un terrain vacant allongé près de la plage, ce qui l’a inspiré pour la construction d’une villa de vacances sur mesure. La vue directe du site sur la mer était cependant obstruée par les maisons de vacances voisines et un complexe hôtelier. Dans le cadre de divers projets de recherche, Wiel Arets a néanmoins constaté que l’on avait une très belle vue de la mer à hauteur du toit des maisons environnantes. L’installation de la piscine dans le jardin sur le toit est devenue la conception de l’élément central du projet.


Um den Swimmingpool herum hat Wiel Arets eine Dachlandschaft aus Beton mit Bänken, Tischen und Sonnenliegen entworfen. I Autour de la piscine, Wiel Arets a conçu un arrangement paysager en béton avec des bancs, des tables et des chaises longues sur le toit.

Garten auf dem Dach I Jardin sur le toit
   Wiel Arets vergleicht das Haus mit einem Tisch, bei dem die Platte die Dachterrasse ist und die Tischbeine als Betonstützen mit einem I-Träger im Kern von der Tischkante zurückversetzt wurden. So entstand der südwestlich ausgerichtete, rund neun Meter lange und beinahe 60 000 Kilo wiegende Swimmingpool. Dank den ausgeklügelten Überlaufrinnen geniesst man einen wunderbaren Blick über die scheinbar unendliche Wasserfläche hinweg zum Meer und zu den Gebirgsrücken der Sierra Blanca. Der Boden des Schwimmbeckens wird wie die dem Hausinneren zugewandte Beckenseite von sechs Zentimetern dicken Glasplatten gebildet, die voyeuristische Blicke auf die Schwimmer im Becken erlauben. Der von Wiel Arets verwendete Name Jellyfish House – das Quallenhaus – entstand aus dem ursprünglichen Wunsch des Auftraggebers ein grosses Aquarium mit Quallen im Bereich der Küche vorzusehen. Die Idee wurde aber im Laufe der Planung aufgrund des grossen Wartungsaufwandes fallengelassen.

   Wiel Arets compare la maison à une table dont le dessus de table serait la terrasse sur le toit et les pieds de la table seraient remplacés par des supports en béton avec au centre, une poutrelle métallique en forme de I en retrait du bord de la table. A partir de là, on a construit une vaste piscine de neuf mètres de long, orientée sud-ouest et pesant près de 60 000 kilos. Grâce aux à l’ingénieux débordement de la piscine, on peut jouir d’une vue magnifique entre le plan à la surface de l’eau par-dessus la mer et les chaînes de montagnes de la Sierra Blanca. Le fond du bassin est formé comme l’intérieur des côtés de la piscine, de plaques de verres d’une épaisseur de six centimètres permettant de voir à leur insu les nageurs évoluant dans la piscine. Le nom donné à la maison par Wiel Arets «Jellyfish House» la maison de la méduse - est né de la demande initiale du client, d’installer un grand aquarium avec des méduses dans la zone de la cuisine. L’idée a cependant été abandonnée au cours de la planification en raison de l’importance des coûts d’entretien.


Von der Küche aus sieht man nicht nur in den Swimmingpool, sondern auch ins Gästewohnzimmer im Erdgeschoss. I Depuis la cuisine, on ne voit pas seulement dans la piscine mais aussi dans le salon des invités au rez-de-chaussée.

   Der Name blieb – heute wird das Aquarium de facto durch den Pool ersetzt, in dem man die Schwimmbewegungen der Wassernixen von der Küche aus beobachten kann. Die Komposition der Volumen, Öffnungen und Räume ist so gewählt, dass man unter dem Pool hindurch gleichzeitig ins Gästewohnzimmer des Erdgeschosses und auf die Terrasse über der Garageneinfahrt sehen kann. Das Haus ist im Verhältnis zur Zufahrt um ein Halbgeschoss nach oben und nach unten versetzt. Von der Strasse aus kann man entweder über eine Fussgängerrampe ins Hochparterre hinaufgehen, oder mit dem Auto über eine breite Rampe in die Garage ins Untergeschoss fahren.

   Le nom est resté. Aujourd’hui, de facto l’aquarium a été remplacé par la piscine d’où l’on peut observer de la cuisine, les mouvements de natation des sirènes. La composition des volumes, des ouvertures et des espaces a été choisie de telle sorte que l’on puisse voir au travers de la piscine, en même temps dans la chambre d’hôtes au rez-de-chaussée et sur la terrasse au-dessus de l’entrée de garage. La maison est décalée d’un demi-niveau de haut en bas par rapport à la route d’accès. Depuis la rue, on peut accéder à la maison soit par une rampe d’accès pour piétons au rez-de-chaussée ou au volant d’une voiture sur une large rampe d’accès au garage situé au sous-sol.


Das Haus entwickelt sich um zwei Treppenhäuser herum. I La maison a été conçue autour de deux cages d’escaliers.

   Der zweite Entwurfsschwerpunkt, der die Organisation und das Design des Hauses prägt, sind die beiden unterschiedlichen, vertikalen Erschliessungen über die in Längsrichtung des Hauses verlaufenden Treppen oder die kurzen, in Querrichtung stehenden Stiegen. Sie kreuzen sich zwar auf jedem Stockwerk, können aber völlig unabhängig voneinander benutzt werden. Einen Kreuzungspunkt bildet der Treppenanfang im Eingangsbereich des Erdgeschosses. Linker Hand führt eine lange Treppe mit tiefen, flachen Stufen entweder zu den Gästeschlafzimmern im Untergeschoss oder direkt ins Esszimmer im ersten Obergeschoss. Rechter Hand liegt das kurze Stiegenhaus mit der Treppe zur Garage im Untergeschoss und zum Küchenbereich im ersten Obergeschoss. An der Südwestfassade des Hauses liegt aber auch ein separater, gartenseitiger Hauseingang, von dem aus man direkt in den Freibereich ins erste Obergeschoss und über eine lange, aussenliegende Treppe weiter zur Dachterrasse gelangen kann, ohne dabei Sand oder Schmutz ins Haus zu tragen.

   Le deuxième axe essentiel de la conception caractérisant l’organisation et le design de la maison sont les deux différentes exploitations verticales. L’une dans le sens longitudinal de la maison, par des escaliers en parallèle ou l’autre dans la transversale, par des courts escaliers grimpants. Ils se croisent à chaque étage mais peuvent être utilisés de manière totalement indépendante. Le début des escaliers constitue le point de jonction initial dans la zone d’entrée au rez-de-chaussée. Sur la gauche, un long escalier avec de profondes marches basses mène aux chambres d’hôtes dans le sous-sol ou directement dans la salle à manger au premier étage. Sur la droite se situe la cage d’escaliers avec les escaliers menant au garage en sous-sol et vers le coin cuisine au premier étage. Sur la façade sud-ouest de la maison, il y a aussi une entrée séparée, côté jardin, d’où l’on peut aller directement à la zone de repos au premier étage et emprunter en même temps un long escalier extérieur vers la terrasse sur le toit, sans ramener du sable ou de la saleté dans la maison.


Durch das Öffnen der raumhohen Faltwändewird der Essbereich zum Aussenraum. I C’est en ouvrant les parois pivotantes en verre que la salle à manger se transforme en espace extérieur.
 
Viel Raum I
Beaucoup d’espace
   Das grosszügige Haus besitzt insgesamt 5 Schlafzimmer, die im Erdgeschoss und Untergeschoss angeordnet sind. Die zwei Gästeschlafzimmer mit ihren jeweiligen Bädern liegen im Untergeschoss und können völlig unabhängig vom Rest des Hauses benutzt werden. Sie sind über die lange Treppe vom Erdgeschoss aus erreichbar, und besitzen ihre eigenen Terrassen auf der Südostseite des Hauses im leicht abgesenkten Garten. Die drei Schlafzimmer der Familie befinden sich hingegen im Erdgeschoss. Das grosse mit eigenem Badezimmer und separater Toilette nimmt die gesamte Stirnseite des Hauses ein und besitzt breite Glasfronten mit raumhohen Schiebetüren nach Nordosten und Südwesten.

   La maison spacieuse dispose d’un total de 5 chambres situées au rez-de-chaussée et en sous-sol. Les deux chambres d’hôtes avec leurs propres salles de bains respectives sont situées au sous-sol et peuvent être utilisées de manière totalement indépendante du reste de la maison. Elles sont accessibles via le long escalier au rez-de-chaussée et possèdent leurs propres terrasses sur le côté sud-est de la maison, légèrement en contrebas du jardin. Les trois chambres de la famille sont situées par contre au rez-de-chaussée. La grande chambre avec sa propre salle de bains et toilettes séparés, occupe toute la face avant de la maison et dispose de grandes baies vitrées du sol au plafond avec des portes coulissantes au nord et au sud.


   Die beiden Kinderzimmer auf der Südwestseite teilen sich ein Badezimmer. Zur Strassenseite befindet sich ein weiteres Wohnzimmer für die Gäste mit einer grosszügigen Terrasse unter dem weit auskragenden Swimmingpool. Das durch das Wasser im Schwimmbecken gefilterte Sonnenlicht taucht die Freiflächen und Teile des Hausinneren in ein sich ständig veränderndes, bewegtes türkisfarbenes Licht. Das erste Obergeschoss wird vom Esszimmer mit seiner grossen Terrasse, der langgestreckten Küche und dem nach Nordwesten orientierten, strassenseitigen Wohnzimmer eingenommen. Das Haus lässt keine Wünsche offen: im Herzen dieses Stockwerks liegen eine Sauna und ein Dampfbad. Mit einem kleinen Servicelift können Getränke und Speisen von der Küche aus auf alle anderen Stockwerke gebracht werden. Das vierte Geschoss – das Flachdach – wird vom Swimmingpool und einer in Beton gegossenen Dachlandschaft mit Bänken, Tischen und Sonnenliegen eingenommen. Dieser «steinerne Garten» erinnert an die skulpturenhaften Dachlandschaften Le Corbusiers.
 

   Les deux chambres d’enfants sur le côté sud-ouest partagent une salle de bains. Côté route, on trouve un autre salon pour les invités avec une grande terrasse en-dessous la piscine en porte à faux. La lumière du soleil filtrée dans la piscine inonde les espaces ouverts et une partie des pièces à l’intérieur de la maison avec des reflets lumineux d’un bleu turquoise en constante évolution. Le premier étage est occupé par la salle à manger avec sa grande terrasse, la cuisine allongée et le salon orienté nord-ouest du côté de la rue. La maison ne laisse rien à désirer: au cœur de cet étage sont installés un sauna et un bain de vapeur. Au moyen d’un service de petit monte-charge, des boissons et de la nourriture peuvent être remontés de la cuisine à tous les autres étages. Le quatrième étage - le toit plat - est occupé par la piscine et aménagée d’un arrangement paysager en béton composé de bancs, de tables et de chaises longues. Ce «jardin de pierre» rappelle les paysages des toits aux formes sculpturales de Le Corbusier.


Die Innenwände sind in diesem Teil mit raumhohen Glasplatten verkleidet, wodurch das Tageslicht tief ins Hausinnere gespiegelt wird. I Dans cette partie, les murs intérieurs sont revêtus de panneaux de verre partant du sol au plafond, sur lesquels la lumière du jour se reflète profondément dans la maison.

Monolith in Ortbeton I Monolithe en béton local
   Das Haus besteht aus einer doppelschaligen Wandkonstruktion aus weissfarbenem Ortbeton. Zusammen mit den vorspringenden Geschossdecken und den weit auskragenden Terrassen im ersten und zweiten Obergeschoss sorgt dieser massive Wandaufbau dafür, dass sich das Haus unter der sengenden, südspanischen Sonne während des Tages nicht allzu stark aufheizt. Wiel Arets spielt gekonnt mit dem Wechsel zwischen geschlossenen, schweren Wänden aus Sichtbeton und raumhohen Glaswänden, die die Grenze zwischen Innen und Aussen auflösen. Durch das Öffnen der Glasfaltwände wie im Essbereich und im Gästewohnzimmer oder das Öffnen der raumhohen Glasschiebetüren in den Schlafzimmern werden die Innenräume zu offenen Loggien, die die kühlende Brise vom Meer durchs Haus strömen lassen.

   La maison se compose d’une double-coque en construction murale coulée dans du béton local de couleur blanche. Avec ses dalles de plancher en saillie et ses terrasses en porte à faux sur les premier et deuxième étages, cette construction murale massive veille à ce que la maison ne subisse pas le brûlant soleil sud-espagnol durant toute la journée. Arets joue habilement avec le changement entre les murs épais, en béton apparent et les parois vitrées, murs de verre partant du sol au plafond qui atténuent la frontière entre l’intérieur et l’extérieur. Que ce soit en ouvrant les parois pivotantes en verre dans la salle à manger ou en entrouvrant les immenses portes coulissantes en verre dans les chambres à coucher, les pièces à vivre intérieures font place à des loggias ouvertes qui laissent échapper la fraîche brise marine découlant de la mer à travers la maison.


Ein schmaler, aussenseitiger Rundgang im ersten Obergeschoss führt vom Wohnbereich direkt zur Terrasse des Esszimmers. I Un étroit passage extérieur au premier étage conduit du salon directement à la terrasse de la salle à manger.

   Wie beim 2013 fertiggestellten Haus für einen Autosammler in Maastricht beschränkt sich Wiel Arets auch beim Jellyfish House auf ein Minimum an Materialien im Innern: Sichtbeton und Glas. Das durchsichtige Material ist überall dort zu finden, wo die Wände keine Tragfunktion erfüllen und als Trennwände fungieren. So sind zum Beispiel die gangseitigen Wände der Zimmerschränke aus Milchglas und lassen die Farben der Kleidungsstücke durchscheinen. Eine Ausnahme bei der Oberflächengestaltung bildet die lange Glaswand entlang des Eingangs im Erdgeschoss, die das Tageslicht weit in die Tiefe des Hauses hinein spiegelt.

   Comme pour la maison construite en 2013 pour un collectionneur de voitures à Maastricht, Wiel Arets s’est aussi attaché à se limiter à un minimum de matériaux à l’intérieur de la «Jellyfish»: béton apparent et verre. Le matériau transparent se trouve partout où les murs ne remplissent aucune fonction portante et font office de murs de séparation. C’est le cas par ex. des parois latérales des armoires des chambres construites en verre dépoli, qui révèlent les couleurs des vêtements. La longue paroi de verre le long de l’entrée au rez-de-chaussée reste une exception dans la conception de la surface intérieure dont les reflets de la lumière du jour se miroitent en profondeur à l’intérieur de la maison.


Das Schwimmbecken mit seiner verdeckten Wasserkante führt den Blick bis zum nahegelegenen Meer. I La piscine avec le bord de son eau cachée conduit le regard vers la mer à proximité.

   Das sehr ambitiöse und für die Umgebung ungewöhnliche Projekt wurde durch eine renommierte Madrider Baufirma ausgeführt. Den statischen Berechnungen des bekannten niederländischen Ingenieursbüros ABT standen die lokalen Behörden lange Zeit skeptisch gegenüber. Sie verlangten immer wieder zusätzliche Prüfungen und Kontrollen, was die Ausführung des Bauvorhabens um einige Jahre verzögerte. Nur durch die kompromisslose Haltung des Auftraggebers und den langen Atem Wiel Arets konnte das Projekt schlussendlich so ausgeführt werden wie ursprünglich geplant. 

   Le projet très ambitieux et inhabituel pour les environs a été réalisé par une entreprise de construction réputée de Madrid. Les autorités locales ont été plutôt méfiantes vis-à-vis des calculs statiques effectués par la célèbre firme d’ingénierie néerlandaise ABT. Ils ont demandé des vérifications et des contrôles supplémentaires à plusieurs reprises, ce qui a retardé l’exécution du projet de construction sur plusieurs années. C’est seulement par l’attitude intransigeante du mandant et la longue obstination de Wiel Arets que le projet a finalement été réalisé comme initialement prévu.

Viso
Wiel Arets Architects (WAA)

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